Das Familienleben von Christopher, Nadine, Philipp, Nicolas, Michaela und Sebastian Hansen (von links) findet normalerweise am Wochenende statt. In diesen Tagen unterstützen Frau und Kinder Nicolas Hansen bei seinem Wahlkampf.
Samstag, elf Uhr: Am großen Tisch im Wohn- und Esszimmer hat sich die ganze Familie versammelt: Nicolas und Michaela Hansen, die drei Söhne Philipp (18), Sebastian (17) und Christopher (13) und Tochter Nadine (7). Die drei Jungen brachte Nicolas Hansen mit in die Ehe, Nadine ist das gemeinsame Kind der beiden.
Ein solches gemeinsames Frühstück ist nur an den Wochenenden möglich, denn Nicolas Hansen arbeitet von montags bis freitags in der Zentrale der Telekom Shop Vertriebsgesellschaft in Bonn, wo er das Vertriebsmanagement für Geschäftskunden leitet. Er hat die Verantwortung für Planung, Kampagnen und Verkauf. „Deshalb behaupte ich auch immer, dass ich was von Planung verstehe“, sagt Hansen schmunzelnd. Durch seine Erfahrungen im Beruf sieht er sich für das Bürgermeisteramt gut gewappnet: Er sei es gewohnt, sich mit anderen abzustimmen, etwas durchzusetzen und Projekte nicht nur zu planen, sondern auch in die Realität umzusetzen. Letzteres sieht er als einen entscheidenden Faktor.
Seit 2005 in Frankenberg
Weil er jeden Tag lange arbeitet, wohnt er unter der Woche in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Dort hat er eine kleine Wohnung nahe des Rheins. Der 48-Jährige nimmt die Trennung von seiner Familie an den Werktagen in Kauf – aber nicht gern. „Aber wenn man viel arbeitet, ist es sehr wichtig, dass der Job Spaß macht“, begründet Hansen seine Entscheidung für den Arbeitsplatz in Bonn.
Umso besser nutzt die Familie dann die gemeinsame Zeit am Wochenende: Die Hansens gehen zum Schwimmen oder ins Kino oder fahren mit Nadine ins „LaLeLu-Abenteuerland“ nach Korbach.
Fünf Jahre lang hat die Familie zusammen in Bonn gewohnt, 2005 haben die Hansens in Frankenberg, der Heimatstadt von Michaela Hansen, ein Haus gebaut. Freitagabends kommt der Familienvater heim – auf der Fahrt hört er Hörbücher oder Musik, von Grönemeyer über Lady Gaga bis Udo Jürgens.
Der 48-Jährige bezeichnet sich als typischen Rheinländer. Doch auch mit den Nordhessen komme er sehr gut klar: Sie seien gar nicht stur, wie ihnen manchmal nachgesagt werde. Und nicht nur der gebürtige Düsseldorfer fühlt sich wohl an der Eder: Auch seine Eltern sind im Juni nach Frankenberg gezogen.
Im Moment sind die Wochenenden bestimmt vom Bürgermeisterwahlkampf, der sich, ebenso wie das Familienleben, auf die Wochenenden konzentriert. Plakate müssen aufgeklebt, Flyer verteilt werden. An den Samstagen möchte Nicolas Hansen mit den Menschen in der Stadt ins Gespräch kommen.
Schon vor zwei Jahren kandidierte Hansen für das Bürgermeisteramt in Frankenberg, damals gegen Amtsinhaber Christian Engelhardt. Er erhielt 25,1 Prozent der Stimmen. „Das fand ich erst total enttäuschend“, erinnert er sich. Erst in den Tagen nach der Wahl sei ihm klar geworden, wie gut dieses Ergebnis gewesen sei.
Von Tür zu Tür
Seine erneute Kandidatur habe durchweg positive Resonanz hervorgerufen, freut sich der 48-Jährige. Den Wahlkampf hat er diesmal später begonnen, denn die Menschen dächten nicht schon Monate vorher an eine solche Wahl, begründet der Frankenberger. In den zwei Wochen vor der Wahl hat er Urlaub: Dann will er von Tür zu Tür gehen und sich den Menschen persönlich vorstellen.
Auch Michaela Hansen steht durch die Kandidatur ihres Mannes plötzlich mehr in der Öffentlichkeit: Sie werde von Bekannten angesprochen und auch schon mal gefragt, ob sich ihr Mann um dies oder jenes kümmern könne – dann würden sie ihn auch wählen. Es ist ein kleiner Ausblick auf das, was werden könnte, falls Nicolas Hansen die Wahl gewinnt.
Für die beiden ältesten Söhne wird das Thema Kommunalpolitik durch die Kandidatur ihres Vaters viel interessanter. Vorher habe er sich damit höchstens im PoWi-Unterricht in der Schule beschäftigt, sagt Sebastian. Ansonsten ist die anstehende Wahl in ihrem Alltag aber kein großes Thema. Christopher allerdings hat eine ganz konkrete Hoffnung: „Wenn Papa Bürgermeister wird, kann er den Skaterpark aufmotzen“.
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