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Oktober: Der Bergahorn

Hart, schön und zuckersüß

Insekten fliegen auf ihn, besonders Blattläuse lieben seinen hohen Zuckergehalt. Der Bergahorn als bedeutendster heimischer Vertreter seiner Gattung ist eine in jeder Hinsicht wertvolle Baumart – er ist unser Baum des Monats Oktober.
Bergahorn

Vorsicht Baum: Ein Bergahorn im „Neugesäß“ in der Nähe vom Wüstegarten wird gefällt. Seine Krone wurde durch einen Buchenwindwurf im Sommer 2011 abgerissen. Der Stamm wird auf der hiesigen Wertholzsubmission angeboten.

© Conny Höhne

In jeder Hinsicht wertvoll: Der Bergahorn ist Baum des Monats Oktober

von Conny Höhne

Waldeck-Frankenberg. Bienen, Fliegen und Käfer werden vom reichlichen Nektarangebot angelockt. Knospen und Blätter gehören zu den Lieblingsspeisen des Rehwilds. Die Laubstreu wird zu nährstoffreichem Humus umgesetzt. „Im Freistand und mit zunehmender Höhenlage erscheint er schöner und eindrucksvoller, auch weil die Konkurrenz durch andere Baumarten in der Höhe nachlässt“, erläutert Konrad Dressler, Revierförster in Odershausen.
Der Bergahorn bevorzugt frische und kühle Laubmischwälder in Bachschluchten, Hangmulden oder an Hangfüßen, wo der Boden oft tiefgründig oder klüftig und gut durchsickert ist. Gegenüber der Buche kann sich der Bergahorn dort durchsetzen, wo diese durch die Bodenbewegungen auf Blockhalden oder zu hohe Feuchtigkeit an Konkurrenzkraft verliert.

Unmengen von Samen

In der Revierförsterei Odershausen ist der Bergahorn rund um den Auenberg und im Finstertal bei Bergfreiheit anzutreffen. Dressler: „Dort gibt es Blockschutthalden aus nährstoffreichem Diabasgestein.“ Im oberen Bereich des Naturschutzgebietes „Sondertal und Talgraben“, wo das kühl-feuchte Klima der Wasserfälle des Sonderbaches und unterirdisch sickerndes Hangwasser die Buche „zähmen“, bildet der Bergahorn mit Esche, Bergulme, Sommerlinde, Spitzahorn die artenreiche und im Herbst bunt gefärbte Waldgesellschaft des Bergahorn-Eschen-Schluchtwaldes.

  Mein Freund, der Baum: Revierförster Konrad Dressler an dem stattlichsten Bergahorn in seinem Revier. Er ist etwa 150 Jahre alt und hat einen Durchmesser von 75 Zentimetern.

Ahornbäume produzieren jährlich Unmengen von Samen mit männlichen und weiblichen Blüten. Bestäubt werden sie von Insekten, aber auch der Wind kann die Pollen befördern. Ende September, Anfang Oktober sind die Samen reif, jedes Kind kennt die den Samen umschließenden Flügelchen, die, einmal vom Wind erfasst, 16 Umdrehungen pro Sekunde erreichen und weit verteilt werden.

Auf der Nordseite des Auenberges haben auf diese Weise wenige Bäume mehrere Hektar Wald mit Nachwuchs versorgt. Mit einem Alter von 150 Jahren und einem Durchmesser von 75 Zentimetern steht dort inmitten seiner zahlreichen Nachkommen der stärkste Bergahorn im Revier. Durch sein intensiv verzweigtes Herz-Senkerwurzelsystem überlebte er einen Gewittersturm im Sommer des Jahres 1972, während die Buchen auf einer Fläche von fünf Hektar umgeworfen wurden. Durch die reiche Samenspende wurden Kosten für die Erneuerung des Waldes eingespart. Dressler blickt beinahe liebevoll vom Stamm bis zur Krone: „An diesem Baum darf keine Säge oder Axt angelegt werden.“

  Forstwirtschaftsmeister Kurt Schaumburg und Forstwirt Daniel Möller fällen einen Ahorn-Baum im Odershäuser Revier.

Die jungen Bergahorne am Auenberg sind im Alter von 35 bis 40 Jahren rund 22 Meter hoch. Für gutes Wachstum braucht die Art ausreichend Platz im Kronenraum, erläutert der Förster. Vorsichtige Durchforstungen seien daher unerlässlich. Im Jahr 2100 könnten am Auenberg 120-jährige wertvolle und „astreine“ Ahornbäume mit Stammdurchmesser von über 70 Zentimeter geerntet werden, ist der Förster zuversichtlich.
Spaziergänger erschrecken gelegentlich über die großen schwarzen Flecken mit gelblichem Rand auf den Ahornblättern. Diese „Teerfleckenkrankheit“ wird von Schlauchpilzen hervorgerufen, habe aber keine Auswirkung auf den Gesundheitszustand der Bäume.

Bestechender Klang

Aus dem wertvollen Holz entstehen Edelfurniere für exklusive Musikinstrumente oder Innenausbauten. Hierzu wird der Stamm im Furnierwerk erst einmal „gemessert“ – in hauchdünne Furnierblätter geschnitten. Bei einer Stärke von 0,52 Millimetern entstehen aus einem Kubikmeter Holz bis zu 900 Quadratmeter Furnierfläche.

Begehrt ist das weiße Ahorn-holz, bestechend ist das Resonanzholz: Cellos, Gitarren und vor allem jahrhundertealte Geigen zeichnen sich aus durch ihren Klang. Durch seine Härte und Dimensionsstabilität ist Ahornholz hervorragend zum Drechseln, für Innenausbau und für Bodenbeläge geeignet.
Im Haushalt kam man vor dem Plastikzeitalter nicht um Ahornholz herum, viele Küchenbrettchen und fast jeder Kochlöffel waren aus Ahorn.


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