Ein kleiner „Trupp“ Douglasien in der Revierförsterei Netze. Die etwa 90 bis 110 Jahre alten Bäume wachsen in Mischbeständen mit gleichaltrigen Laubbäumen.
Von Conny Höhne
Waldeck - Frankenberg. Beeindruckt von den riesigen Dimensionen brachte der schottische Botaniker David Douglas im Jahr 1828 Samen aus Nordamerika mit. Als das enorme Wuchspotenzial und die guten Holzeigenschaften offensichtlich wurden, legte der Verband Forstlicher Versuchsanstalten ab 1880 Versuchsflächen in Deutschland an. Seit etwa 100 Jahren wird die Douglasie planmäßig in Europa angebaut.
Sie entwickelte sich zur wichtigsten fremdländischen Baumart. „Wegen ihrer hervorragenden Holzqualitäten, der guten Durchwurzelung des Waldbodens und geringen Anfälligkeit gegenüber Insekten- oder Pilzbefall ist sie mittlerweile zu einem beliebten Mischbaum geworden“, erzählt Garus.
Besonders vielseitig
In Hessen besitze sie einen Anteil an der Waldfläche von 3,1, im Forstamt Vöhl von 3,4 Prozent. Langfristiges Ziel in Hessen: maximal 10 Prozent. Im Zuge des Klimawandels wird die Douglasie zunehmend als Alternative zur Fichte betrachtet. Aufgrund ihres tief greifenden Wurzelsystems ist sie weniger sturmgefährdet, widerstandsfähiger gegen Borkenkäfer und verträgt Hitze besser. Auch die Zuwachsleistung ist nach Ansicht des Revierförsters nicht zu unterschätzen. So kann die Massenleistung die der Fichte um 100 Prozent übertreffen.
In der knapp 1800 Hektar großen Revierförsterei Netze stehen 90 bis 110 Jahre alte Douglasien in Mischung mit Buche, Fichte und Lärche. Erst vor etwa 30 bis 40 Jahren sind kleinere Bestände gepflanzt worden, weiß der Förster. Bei der Auspflanzung von Windwurfflächen wird die Einwanderin aus Nordamerika als Mischung mit Laubbäumen gepflanzt oder in kleinen „Trupps“ in ältere Mischwälder eingebracht. „Ihre Vielseitigkeit macht sie so interessant. Die Douglasie ist genügsam, verkraftet Wärme und Trockenheit besser als die Fichte, hat eine enorme Wuchsleistung und spielt eine immer wichtigere Rolle als Wirtschaftsbaum“, so Garus.
Beim Anbau ist sie eine der empfindlichsten Baumarten. Entwicklung der Pflanzen, Pflanzzeitpunkt, Bodenfeuchte und Witterungsverhältnisse bestimmen den Pflanzerfolg gravierend. Für hochwertiges Stammholz müssen ältere Bäume in mehreren Schritten auf fünf bis zehn Meter geastet werden, da auch abgestorbene Äste sonst ins Holz einwachsen. Für die Arbeit in großer Höhe sind spezialisierte Forstwirte gefragt.Holzkäfer haben die immergrünen Bäume ebenfalls entdeckt. Erfahrungen über Bruten liegen laut Garus von rinden- und holzbrütenden Borkenkäfern vor. Befall wird meist nur nach Vorschädigungen durch Trockenheit oder Sturm registriert. Vor allem die Schädlinge von Fichte, Kiefer und Lärche wie Buchdrucker, Kupferstecher, Vierzähniger Kiefernborkenkäfer und Großer Lärchenborkenkäfer suchen die Douglasie heim. An Jungpflanzen kann es zu Schädigungen durch den Großen Braunen Rüsselkäfer kommen. Pilzbefall, der an den Nadeln auftreten kann, nennt sich Rußige und Rostige Douglasienschütte und wird an schwarzen oder orangegelben bis rostroten Pilzfruchtkörpern deutlich. Unter Umständen kann Hallimasch Wurzeln und Kambium schädigen.
Douglasien aus Waldeck-Frankenberg werden vorwiegend in der heimischen Sägeholzindustrie verwendet. Rundholz von mittlerer Qualität erreicht Preise um die 85 Euro pro Festmeter, beziffert der Forstmann. Das Holz ist hart und besitzt gute Festigkeit und Elastizität. Als Konstruktionsholz wird es für tragende und teilweise sichtbare Elemente verwendet, als Vertäfelung, Bodendiele, im Treppen- und Möbelbau.
Knistern im Wald
Garus: „Hervorzuheben ist die beachtliche Warnfähigkeit. Bereits bei 50 Prozent der Bruchlast beginnt das Holz hörbar zu knistern.“ Es ist widerstandsfähig und im Außenbereich witterungsbeständig – vom Zaun bis zur Terrasse. Nur den ständigen Kontakt mit der Erde verträgt die Douglasie nicht.
„Einen gewissen Nachteil hat Douglasienholz aber auch. Das ist die enorme Härte. So wird jeder von einer leidlichen Erfahrung berichten können, der in trockenes Douglasienholz versucht hat, von Hand einen Nagel einzuschlagen“, schmunzelt Garus. Trotz einer Vielzahl forstwirtschaftlicher Vorteile werde die Douglasie in Bezug auf Klimawandel und Komplexität des Ökosystems Wald nicht alle Probleme lösen. „Sie kann aber das Baumartenspektrum erweitern und damit zur Risikostreuung beitragen“, so der Förster.
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