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Januar: Die Waldkiefer

Wellener Kiefern reisen bis nach Italien

Edertal-Wellen. „Ich mag Kiefern sehr, wenn sie in einem Mischwald mit Eichen und anderen Laubbäumen stehen – ein prächtiges Bild im Frühjahr und Herbst“, sagt der Wellener Revierförster Franz-Josef Göllner. Im Frühjahr, weil das dunkle Grün der langen Nadeln im Kontrast steht zum frischen, viel helleren Farbton der austreibenden Laubbäume; im Herbst, weil das Immergrün der Kiefer Ruhepunkte setzt inmitten des Farbenfeuerwerks des vergehenden Laubes.

Franz-Josef Göllner vor seiner Lieblingskiefer.

Von Matthias Schuldt

Wenn Göllner an Kiefern denkt, dann nicht an die bekannten, spargelähnlich dürren und kahlen Stämme, die mit einer kümmerlichen Krone dicht an dicht im Wirtschaftswald vegetieren. Der Förster hat vielmehr die krummästigen, knorrigen Prachtexemplare vor Augen, wie eines am Weg zum Wellener Schleifstein hinauf steht. „Ihren eigentlichen Wuchs offenbaren Bäume erst, wenn sie freier stehen“, erklärt der Forstmann.

Anspruchsloses Wesen

Solche Kiefern finden sich reichlich in Göllners Revier. Von den 1600 Hektar nehmen sie etwa 480 in Anspruch, sind beheimatet in den optisch so reizvollen Mischwäldern. „Dort wurden sie nicht vom Menschen angepflanzt, sondern haben sich angesiedelt“, erläutert Göllner.

Die Kiefern auf rund 120 weiteren Hektar durften sich nicht so frei entfalten. Sie stehen eng beieinander, in Reih’ und Glied wie beim Militär; Bäume von eben jenem spargelähnlichen Äußeren.

Und dennoch – obwohl einige ihrer Art in derlei Knechtschaft ihr Dasein fristen, ist die Kiefer dem Menschen zu Dank verpflichtet. Abgeleitet aus historischen Quellen spricht einiges dafür, dass er es war, der ihre Samen nach Nordhessen brachte, damals im 17. Jahrhundert. Zwecks Ansiedlung und späterer Holznutzung führte man die Kiefer aus dem Nordschwarzwald, aus Franken und dem Thüringer Wald hier ein. Nach dem Ausplündern der Wälder im Mittelalter war Aufforsten dringend angezeigt. Die Schwerpunkte der Kiefernbestände in Waldeck-Frankenberg liegen im Burgwald und im Langen Wald zwischen Freienhagen und Fritzlar-Züschen.

Beliebt war die Kiefer einst, weil sie ein anspruchsloser, robuster Baum ist, der zwar viel Licht braucht, aber wenig Wasser und Nährstoffe. Sie lieferte Holz auch auf den kargsten Standorten.

Comeback in Klimakrise?

Diese Eigenschaften sind es, die sie nach der letzten Eiszeit gemeinsam mit Birke und Hasel zu Pionieren hatte werden lassen. Das Trio hielt vor 10 000 bis 12 000 Jahren Einzug auf den praktisch waldfreien Tundren Mitteleuropas. Je angenehmer sich das Klima gestaltete, desto mehr musste die Kiefer Bäumen wie der fast alles beherrschenden Buche weichen.

Doch bald könnte sich der Wind wieder drehen – infolge des Klimawandels. Höhere Temperaturen, größere Trockenheit, Stürme: Die Kiefer hält all das spielend leicht aus. Sie kommt mit ihrer tiefen Pfahlwurzel an weit unter der Erdoberfläche liegende Wasservorräte heran und steht zugleich sehr sicher.

In der erwarteten Hitze der Zukunft findet der Mensch die Kiefer wohl auch aus Sicht der Ökonomie wieder interessanter. Wegen der vielen Astlöcher und ihres natürlich krummen Wuchses hält sich die Nachfrage zum Beispiel der Möbelbranche heutzutage in Grenzen.

Mit Ausnahmen in Nischen, wie Franz-Josef Göllner berichtet: „Italien nimmt uns gerne alte Kiefern mit dicken Stämmen ab.“ Der Grund liegt in der Bestattungskultur auf dem europäischen Stiefel. Dort ist es Tradition, die verstorbenen Angehörigen in oberirdischen Grabkammern beizusetzen. „Die Italiener bevorzugen Massivholzsärge, die aufwendig verziert werden und ewig lange in den Kammern halten“, erzählt der Wellener Förster. Die Kiefer liefert relativ preisgünstiges Holz für diesen Verwendungszweck.


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Waldkiefer

Die Waldkiefer (lat.: Pinus silvestris) wird bis zu 600 Jahre alt. Sie misst bis zu 35 Meter in der Höhe, erreicht einen Durchmesser von 1 bis maximal 1,5 Metern. Ein knappes Viertel der deutschen Waldfläche entfällt auf die Waldkiefer. Eine gefurchte, grau- bis rotbraune Schuppenborke unten sowie eine glatte, leuchtend rotgelbe bis fuchsrote, blättrige Rinde oben kleidet den Stamm ein. Die Nadeln werden 2,5 bis 8 Zentimeter lang, zeichnen sich durch hohe Steifigkeit und die paarweise Anordnung an einem Kurztrieb aus. Die Bäume sind einhäusig, im allgemeinen Sprachgebrauch also Zwitter, denn männliche und weibliche Blüten kommen auf ein und derselben Pflanze vor. Waldbrand, Schnee- und Eisanhang gefährden die Kiefer ebenso wie die Pilze Kienzopf und Kiefernschütte oder die Schmetterlingsraupen von Kieferneule, Kiefernspinne und Nonne. Das Holz ist harzreich, leicht, weich und weist einen breiten gelblichen bis rötlich-weißen Splint mit rotbraunem Kern auf.(r)


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