Die Eiche am Totenpfuhl bei Hüddingen gehört zu den Lieblingsbäumen von Förster Alfred Hucke, sie thront seit 600 Jahren an ihrem Platz.
Waldeck-Frankenberg. Die alte, robuste Eiche am Totenpfuhl bei Hüddingen hat viel erlebt – unzählige Generationen von Menschen, Unwetter, viele Kriege und Friedensschlüsse. Seit 600 Jahren steht der kräftige Baum an dem kleinen Himmelsteich, der durch Regenwasser gespeist wird. Viele Mythen und Geschichten erzählen von diesem Ort, und Förster Alfred Hucke kennt viele von ihnen. Er kennt auch die Eiche in- und auswendig, sie gehört zu seinen Lieblingsbäumen in seinem Revier. Daneben fällt ihm ein Exemplar auf seinem Hausberg, dem Dietrichshagen, ein. „Dort steht eine Traubeneiche, in die vor vielen Jahren wohl der Blitz eingeschlagen hat“, erzählt er. Statt aber einzugehen hat der Baum seine Krone nach rechts und links ausgebreitet. „Ein ermutigendes Symbol“, findet Alfred Hucke.
Ohnehin sei die Eiche ein tapferer Baum, der ohne die Hilfe des Menschen in heimischen Gefilden heute aber wohl nur selten zu finden wäre. Die natürlichen Waldgesellschaften der Traubeneiche sind nämlich Eichen-Hainbuchen-Wälder der niedrigeren Lagen des Hügellandes. In diesen Bereichen wurden die Wälder aber fast vollständig umgewandelt für Landwirtschaft, Siedlung, Industrie oder Verkehrswege. Deswegen wachsen Traubeneichen heute fast ausschließlich in den Hainsimsen-Buchen-Wäldern, die in den etwas höheren Lagen angesiedelt sind. Hierin wäre die Traubeneiche von Natur aus nur sehr gering vertreten, wenn nicht der Mensch sie gezielt immer wieder hier eingemischt hätte. Dadurch sind heute neun Prozent der Waldflächen in Waldeck-Frankenberg mit Eichen bestanden. Als Wärme liebende Baumart wächst die Traubeneiche vor allem an südexponierten Hanglagen und tieferen Lagen der Mittelgebirge, oft einzeln oder in Gruppen eingemischt in Buchen-Mischwälder. Ganz andere Standortansprüche hat die andere heimische Eichenart, die Stieleiche. Sie hat größere Feuchtigkeitsansprüche und wächst von Natur aus eher auf schweren Niederungsböden; sie ist aber auch ein häufiger Park- und Alleebaum der Städte.
Nach der letzten Eiszeit dauerte es zunächst Jahrtausende, bis die Eiche wieder nach Mitteleuropa einwandern konnte, da es für sie zunächst noch zu kalt war. Erst nach einer deutlichen Klimaerwärmung konnte die Eiche wieder zurückkommen, zusammen mit anderen Baumarten wie Esche, Bergahorn, Kirsche und Linde. Etwa seit der Jungsteinzeit haben die Menschen wesentlich zur Verbreitung der Eiche beigetragen. Der Grund dafür war vor allem die Schweinemast im Wald, die über Jahrhunderte ganz entscheidend für die Ernährung der Menschen und ein wichtiger Teil der menschlichen Kultur gewesen ist.
Eiche als Mischbaumart
Heute ist die Eiche als Mischbaumart auf den meisten Waldstandorten insbesondere der Buche an Konkurrenzkraft unterlegen. Im Zuge der Klimaerwärmung dürften sich die Verhältnisse künftig jedoch zugunsten der Eiche verschieben. Die Eiche ist eine Lichtbaumart – in der Jugend mit schnellem Wachstum – dann aber schon bald der Buche an Konkurrenzkraft unterlegen. 1000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten leben an Eichen. Ohne alte Eichen vom Aussterben bedroht wären die drei Großkäferarten Heldbock, Hirschkäfer und Eremit, aber auch andere Insekten wie Eichenwidderbock oder Eichensplintkäfer. Auch verschiedene Schmetterlinge, Vögel, Flechten und andere Organismen finden ihren Lebensraum an den Eichen.
Eine große Bedeutung hatten die Eichen schon für die Kelten, deren heilige Eichenhaine überliefert sind. Aber auch für die Germanen hatte die Eiche eine ganz wichtige religiöse Bedeutung: die Eiche als heiliger Baum war dem Gott Donar geweiht, der durch Blitz und Donner seinen Willen kundtat. Entzaubert wurde dies durch das Fällen der Donar-Eiche durch Bonifatius 723 nach Christus. Etwa ab dem 18. Jahrhundert war die Eiche auch Sinnbild für Sieg und Heldentum. Orden und militärische Rangabzeichen wurden mit Eichenlaub geschmückt und die Sieger in sportlichen Wettkämpfen damit ausgezeichnet. 1871 wurden nach der Reichsgründung überall in Deutschland Bismarck-Eichen gepflanzt.
Noch heute gilt die Eiche als urdeutscher Baum. In unzähligen Wappen von Ländern, Städten, Gemeinden und Geschlechtern finden wir die Eiche: als Baum oder Eichenlaub oder die Frucht. Berühmtheit erlangten auch die 1977 gepflanzten 7000 Eichen von Joseph Beuys als documenta-Kunstwerk in Kassel.
Heilende Wirkung
Das Holz der Eiche zählt wegen seiner Festigkeit, Beständigkeit und Dichte zu den gefragtesten einheimischen Hölzern; kaum eine andere Holzart ist so vielfältig verwendbar. Furniere, Möbel, Treppen, Parkett, Fenster, Türen, Täfelungen, Fassholz, Brücken- und Schiffsteile, Konstruktionsholz, Pfahl-, Gruben- und Schachtholz, Eisenbahnschwellen und Zaunpfosten werden aus Eichenholz gefertigt; Eichenholz ist ferner auch ein beliebtes Drechslerholz. Früher wurden auch etwa Speichen, Naben und Achsen sowie ganze Wagen aus Eichenholz gefertigt. Die Rinde der Eiche war bis noch vor etwa 150 Jahren der Hauptgerbstoff. Danach wurde sie durch Quebracho-Importe und synthetische Gerbstoffe ersetzt.
Auch medizinische Nutzungen von Eichenprodukten gab es schon früh: „Alles, was am Eychbaum ist, ist für vielerlei Krankheiten und Wunden gut“ (Hieronymus Bock: „Kreutterbuch“, 1587). In der Volksmedizin heißt es: „Eichenbaum, ich klage dir. Die Gicht, die plaget mir. Ich wünsche, dass sie mir vergeht. Und in dir besteht.“ Auch heute noch ist die Eiche eine bedeutende Heilpflanze: die abgeschälte Rinde junger Äste, Blätter und Eicheln haben fiebersenkende, antiseptische und tonische Wirkung. Sud von Eichenrinde wird zum Gurgeln verwendet bei Angina und als Mundwasser bei Zahnfleischbluten, äußere Anwendung bei Frostbeulen und Schrunden. Geröstete und gemahlene Eicheln helfen als Eichelkaffee gegen Darm- und Magenbeschwerden. (resa)
Traubeneiche
Das Alter der Traubeneiche beträgt etwa 500 bis 700 Jahre; es gibt aber auch 1400-jährige Eichen. Sie erreicht Höhen von 25 bis 40 Metern; im Freistand kann sie einen Durchmesser von zwei Metern erreichen. Die Eiche bildet anfangs eine starke Pfahlwurzel, später kräftige Herzwurzeln.
Die Eicheln reifen von September bis Oktober. Sie sitzen gehäuft (daher Traubeneiche) an fast ungestielten Fruchtbechern.
Hauptverbreitungsgebiete der Traubeneiche in Deutschland sind die Mittelgebirge, insbesondere Spessart, Odenwald, Taunus, Pfälzer Wald, Rheinisches Gebirge sowie das nordöstliche Deutschland. Ein weites Verbreitungsgebiet hat die Traubeneiche in Europa: von den Britischen Inseln über Nordspanien, Frankreich, Mitteleuropa bis nach Südwestrussland und zur Krim sowie von Italien über den Balkan bis nach Südskandinavien. (r)
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