Zwischen Immighausen und Fürstenberg säumen Birken den Weg zu einem Biotop. Sie kommen mit ihren auffällig herabhängenden Zweigen und Blättern und ihrer weißen Rinde an jeder Stelle richtig gut zur Geltung.
Lichtenfels. Die Gemeine Birke begegnet uns unter verschiedenen Namen: Hängebirke oder Trauerbirke heißt sie wegen ihrer auffällig herabhängenden Zweige und Blätter. Die Bezeichnung Warzenbirke verweist auf die kleinen klebrigen Harzdrüsen an einjährigen Zweigen. Da der Baum anspruchslos ist und auch auf ärmsten Böden gedeiht, entstand regional der Name Sandbirke. Aufgrund der leuchtend weißen Rinde wird sie häufig auch Weißbirke genannt.
Ein Pionierbaum
Haben Stürme oder Feuer im Wald eine Kahlfläche hinterlassen, braucht es Pflanzen, die durch eine schnelle Wiederbesiedlung der entstandenen Freiflächen solche „Wunden“ des Waldes heilen. Sie müssen große Mengen an leichtem Samen produzieren, der sich durch den Wind weit verbreiten lässt. Gleichzeitig müssen gekeimte Jungbäume höhere Strahlungsfröste und eine stärkere Sonneneinstrahlung ertragen können und unempfindlich gegen Trockenheit und Wind sein. Ein solcher Erstbesiedler oder Pionier ist die Birke. Sie war es auch, die zusammen mit der Kiefer vor rund 13 000 Jahren die Wiederbewaldung Mitteleuropas nach der letzten Eiszeit eingeleitet hat.
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| Die Birke wird aufgrund ihrer charakteristisch leuchtend weißen Rinde häufig auch Weißbirke genannt. |
Auf armen Sandböden der Lüneburger Heide oder in der Mark Brandenburg prägt die Birke heute noch das Landschaftsbild. Im Waldverband kann sie sich jedoch im Wettbewerb mit anderen Baumarten, wie etwa der Buche, nur auf sehr nährstoffarmen, trockenen oder besonders feuchten Standorten behaupten. Birkenwurzeln erschließen zuerst den oberen humosen Boden und können dadurch eine gewisse Wurzelkonkurrenz für Jungbäume nachfolgender Baumarten darstellen. Auf zur Vernässung neigenden Standorten kann eine Birke an einem Sommertag bis zu 400 Liter Wasser verdunsten und dadurch zum Abtrocknen des Bodens beitragen.
Die leichte Zersetzbarbeit und der hohe Nährstoffgehalt der Blattstreu leisten zudem einen Beitrag zur Bodenverbesserung. Das lockere Grün der Birkenkronen gewährt ausreichenden Lichtgenuss für junge Bäume der nachfolgenden Generation und schützt sie vor zu starker Sonneneinstrahlung und Frösten.
Vielseitig einsetzbares Holz
Das Wachstum der Birke erreicht bereits mit sieben bis neun Jahren seinen Höhepunkt und lässt dann deutlich nach. Es gelangt mit rund 60 Jahren zum Abschluss. Ab einem Alter von 80 Jahren wird häufig Stammfäule beobachtet. Erreicht ein Baum das wahrscheinliche Höchstalter von 120 Jahren, kann sein Durchmesser immerhin 60 Zentimeter betragen.
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| Förster Rainer Weishaar zeigt eine Vase, die in Schweden aus Birkenholz gefertigt wurde. |
Das Holz zählt zu den Weichhölzern, es ist leicht bearbeitbar und dient als Roh- und Werkstoff für die Zellstoff- und für Spanplattenherstellung. Ausgesuchte Stammabschnitte werden im Möbelbau verwendet. Nach Berichten aus dem 16. Jahrhundert stellten Wagner und Stellmacher damals aus den festeren unteren Stammteilen „Achsen und Felgen zu den Rädern“, Schlittenkufen, Propeller, Holzschuhe, Tröge und dekorative Gebrauchsgegenstände her. Weil Birkenholz ohne Funkenflug brennt und vor dem Kamin als attraktiv empfunden wird, ist es ein beliebtes Brennholz, was zum Beispiel ihren Anbau in stadtnahen Wäldern bis heute gefördert hat. Das hohe Staubfangvermögen der gegen Immissionen relativ unempfindlichen Birkenkrone trägt zudem besonders zur Luftreinigung bei.Vor der Erfindung des Papiers wurde die witterungsbeständige Rinde zum Beschreiben verwendet. In Skandinavien werden Hüttendächer mit Birkenrinde gedeckt. Die Samen nutzen sie für Umhänge, Schuhe und Gamaschen. Birkenrinde eignet sich aufgrund des hohen Teergehaltes gut zum Anzünden von Feuer. Durch Destillation von Birkenrinde wurde schon früh Birkenteer für die Lederkonservierung hergestellt.
Birkenpech für Pfeilspitzen
Birkenpech, ein zähflüssiger klebender Siederückstand aus Rindenmaterial, kam beim Anbringen von Pfeilspitzen, bei der Abdichtung von Booten und als „Kaugummi“ unserer Urahnen zum Einsatz. Bei Grabungen aufgefundene Pechklumpen aus der späten Mittelsteinzeit und der frühen Neusteinzeit weisen Zahnabdrücke auf – ein Beleg dafür, dass Birkenpech gekaut wurde. Der für 5300 Jahre im Eis des Similaungletschers konservierte Mann vom Hauslabjoch („Ötzi“) führte zwei Gefäße aus Birkenrinde mit sich. Eines diente zum Transport von Glut für das Anfachen von Feuer. Die Elastizität der Birkenzweige macht sie besonders geeignet für die Besenherstellung. Der Botaniker Hieronymus Bock schreibt 1539, dass Birkenreiser auch zum Binden von Getreidegarben verwendet wurden. Bock beschreibt auch gebundene Birkenreiser, die „zur Züchtigung über die ungehorsamen Kinder“ benutzt wurden. Als Erziehungsmittel inzwischen überholt, dienen Birkenzweige immer noch als „Geißel“ der Besucher finnischer Saunen.
Bohrt man Birkenstämme oder -äste im zeitigen Frühjahr vor Laubausbruch an, fließt der Birkensaft oft in Strömen. Über zehn Liter kann eine Birke am Tag liefern. Birkensaft kann zu Wein, Limonade oder Haarwasser verarbeitet werden. Auf Birkensaft basiertes Haarwasser soll zur Stärkung von Haaren und Kopfhaut beitragen. In Maßen genossener Birkensaft steigert die allgemeine Vitalität. Nach dem deutschen Arzneimittelbuch gelten Birkenblätter als anerkanntes Heilmittel: Birkenblättertee wirkt schweiß- und harntreibend und soll bei Gicht, Rheuma, Borreliose, Nierenleiden, Blasensteinen und Wassersucht helfen. Längere Trinkkuren wirken entschlackend und blutreinigend. Junge Birkenblätter sind wie junge Buchenblätter auch als Zutaten für Salate, Quarkgerichte oder Suppen geeignet.
Standortsansprüche
Alle natürlichen Birken- und Birkenmischwälder sind in Mitteleuropa sehr selten geworden: der Birken-Stieleichenwald auf frischen oder feuchten Standorten, der Birken-Traubeneichenwald auf eher trockenen Böden der Mittelgebirge und der Rauschbeeren-Moorbirkenwald. Hatte die Nieder- und Mittelwaldwirtschaft einst das Aufkommen von Birken im Wirtschaftswald begünstigt, beschränken sich ihre Chancen bei der heutigen kahlschlagfreien Waldwirtschaft auf Flächen, die durch Sturm, Schneelast oder übergroßen Eisanhang waldfrei geworden sind. Zum Leidwesen von Pollen-Allergikern blüht die Birke jedes Jahr. Ihr Pollen gehört zu den aggressivsten Baumpollenallergenen überhaupt. Sie leidet aber auch selbst unter der einen oder anderen Krankheit – unter anderem Rindenrissen in Verbindung mit einer Blattflecken-Krankheit (Marssonina betulae), die im fortgeschrittenen Stadium zu Zweigdürre und dem Absterben der Bäume führen kann.
Die Linde der Finnen
Für Russen und Finnen ist die Birke in kultureller und mythologischer Sicht was für Mitteleuropäer die Eiche oder die Linde ist. Sie wird besungen, bedichtet und gemalt. Sie ziert Gärten und Parks. Mehr als alle anderen Baumarten gilt sie als das Wahrzeichen des Frühlings und steht als Symbol für die Jugend.Sie ist aber auch Fruchtbarkeitssymbol und war Freya, der germanischen Göttin der Liebe und Ehre, geweiht. Die Kelten weihten die Birke der Göttin Birgit, die als Schutzpatronin für Ärzte, Schmiede und Dichter hoch angesehen war. Der Name des Baumes scheint sich aus dem Namen der keltischen Göttin abzuleiten. Der Mai gilt als der Birkenmonat, der Maibaum und auch der Richtbaum auf dem neu errichteten Hausdach ist oft eine Birke. Birkengrün empfängt das Brautpaar an der Kirchenpforte und zu Hause an der Haustür. Festlicher Schmuck bei Dorffesten und Maienumzüge mit jungen Birken sollen alles Unheil von Mensch, Vieh und Flur abhalten.
Weltweit 40 Birkenarten
Die Birken bilden eine eigene Familie im Pflanzenreich. Weltweit gehören etwa 40 Arten zur Gattung Birke. Sie leben als sommergrüne Bäume oder Sträucher in den gemäßigten Zonen auf der gesamten Nordhalbkugel. Die Birken sind einhäusig, das heißt männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane befinden sich an einer Pflanze. Neben der in Mitteleuropa häufig vorkommenden Sandbirke (Betula pendula ROTH) und der Moorbirke (B. pubescens EHRH.) findet sich auf Torfmooren Nordeuropas und der Alpen die selten über einen Meter groß werdende Strauch-Birke (B. humilis SCHRANK.) und die Zwergbirke (B. nana L.).
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