Im Staatswald zwischen Buhlen und Waldeck wächst diese etwa 120 Jahre alte Elsbeere in Nachbarschaft mit Lärchen und Buchen.
VON CONNY HÖHNE
Waldeck-Frankenberg. Selbst erfahrenen Waldläufern ist die Elsbeere oft unbekannt. „Um sie zu finden, braucht man ein geschultes Auge“, sagt der Waldecker Revierförster Uwe Hüppe über seinen Lieblingsbaum. Einen hat der 45-jährige Vater von zwei Kindern vor über zwölf Jahren am Forsthaus in Netze gepflanzt. Seinen gleichaltrigen Sohn hat diese junge Elsbeere im Wachstum längst überholt.
In der forstlichen Praxis spielte die Elsbeere eine untergeordnete Rolle, obwohl ihr Holz wertvoll ist. Bis zu 15 000 Euro kostet ein Festmeter furnierfähiges Wertholz, das entspricht etwa dem erntekostenfreien Erlös von 160 Festmeter Fichtenstammholz. Der „Schweizer Birnbaum“ liefert das teuerste Holz auf dem europäischen Markt. Als „Baum des Jahres 2011“ sollte der Bekanntheitsgrad gesteigert werden. Mit deutlich unter einem Prozent an der Waldfläche ist die Elsbeere eine der seltensten Waldbaumarten Deutschlands. Im Forstamt Vöhl kümmern sich Forstleute seit 20 Jahren um seltene Arten, die die biologische Vielfalt erhöhen. „Solche Wälder sind stabiler, schöner und anpassungsfähiger“, informiert Hüppe.
Konkurrenz muss weichen
In der Revierförsterei Waldeck war ein bedeutendes Vorkommen der Elsbeere nahezu unbekannt. Besonders häufig kommt die Elsbeere auf den Kalk- und Dolomitgesteinen des Zechsteinbandes vor, das die Ausläufer des Rheinisch-Westfälischen Schiefergebirges am Edersee mit dem Buntsandsteingebiet der Waldecker Tafel verbindet.
An den warmen, sonnenverwöhnten Südhängen zum Edersee hin finden sich auch auf Schiefer oder Grauwackenfels Elsbeerbäume. Im niederschlagsarmen Waldeck (516 Millimeter im Jahr) lässt die dominierende Buche im Wachstum nach, sodass auch die konkurrenzschwache Elsbeere überleben kann. Gefundene Bäume wurden kartiert und frei gestellt. „Soll das Elsbeerenvorkommen um den Edersee dauerhaft erhalten werden, müssen wohl oder übel auch gut geformte Konkurrenzbäume bei Eichen und Buchen weichen“, erklärt Hüppe, der im Forsthaus Frebershausen aufgewachsen ist. Im Alter nehme die Lichtbedürftigkeit der Elsbeere zu, die im Wachstum um einige Meter hinter Eiche und Buche zurückbleibe. Für große Kronen und gutes Wachstum müsse rechtzeitig frei gestellt werden – auch in Naturschutzgebieten. Im Nationalpark Kellerwald könnten die wenigen Elsbeeren vollends durch die immer stärker werdende Konkurrenz der Buche verschwinden, ist sich Hüppe sicher.
Wettlauf mit den Drosseln
Sein Ziel ist es, Restbestände zu sichern und junge Bäume gezielt in den Wald einzubringen. Elsbeeren vermehren sich über Wurzelbrut – Triebe, die aus oberflächlich wachsenden Wurzeln der Altbäume ausschlagen.
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| Uwe Hüppe leitet seit 1994 die Revierförsterei Waldeck |
Dies hat entscheidende Nachteile: Wurzelbrut ist genetisch identisch mit dem Mutterbaum und das Versetzen der Pflanzen an andere Stellen gelingt fast nie, weil sie es gewohnt waren, von der Wurzel des Mutterbaumes ernährt zu werden. Wurzelbrut entsteht oft sehr stark, wenn der Mutterbaum gefällt wird, aber genau das wird nicht angestrebt. Obendrein haben Rehe die Elsbeere zum Fressen gern, daher ist Zaunschutz nötig. Im Forstamt Vöhl war es immer wichtig, Nachzucht aus den eigenen Bäumen wieder in die Wälder zu bringen, verweist Hüppe auf die Beerenernte. Hebebühnen werden zum Pflücken eingesetzt und es werden Netze ausgelegt, teilweise werden die Früchte auch durch Baumkletterer heruntergeschlagen.
„Immer ist es ein Wettlauf mit den Drosseln“, schmunzelt der Forstmann. Alle zwei bis vier Jahre reicht der Fruchtansatz aus für eine Ernte. Die Beeren werden als Rohsaatgut zur Staatsdarre nach Hanau-Wolfgang gebracht. Die in der Staatlichen Baumschule angezogenen Bäumchen kommen später wieder an den Edersee.
Wichtig in Mittelwäldern
Zu Versuchszwecken wurde ein Reinbestand von einem halben Hektar angepflanzt. Seit 1996 sind die Bestände im Forstamt Vöhl als Sonderherkunft mit der Bezeichnung „Elsbeere Waldeck-Edersee“ als wertvoll anerkannt. Mit Elsbeeren, die an Schulen, Kirchen und Kindergärten gepflanzt wurden, will Hüppe seinen Lieblingsbaum mehr in den Blickpunkt rücken.
Stockausschlag und Bildung von Wurzelbrut brachten der Elsbeere den Rang einer wichtigen Baumart der Mittelwälder ein. Dabei wird der gesamte Bestand bis auf wenige Einzelbäume kahlgeschlagen. Gut geformte Bäume bilden kurze, starke Stämme mit großen Kronen – begehrt als Bau- oder Möbelholz. Der regelmäßig eingeschlagene Jungwald wurde zu Brennholz verarbeitet. Im Staatswald ist eine kleine Fläche für diese Bewirtschaftungsform geplant.
Die Klima-Erwärmung mit trockenen Sommern und schweren Orkanen eröffnet neue Perspektiven für die Elsbeere, die ihr natürliches Verbreitungsareal deutlich ausweiten könnte. „Es ist zu hoffen, dass der Flächenanteil und irgendwann auch die nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten gesteigert werden können“, so der Revierleiter.
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Revierförsterei
Die Revierförsterei Waldeck umfasst 1841 Hektar, davon 1067 Hektar Staatswald Waldeck, 500 Hektar Staatswald, 184 Hektar Domanialwald Waldeck. 68,7 Hektar gehören den Waldinteressenten Netze, der Rest entfällt auf 20 Kleinprivatwälder. Laubholzanteil: 60 Prozent. Standorte: Schiefer und Grauwacke (50 Prozent), Buntsand- und Zechstein. Jahreseinschlag: 8750 Festmeter. Am Reiherbach ist ein Wertholzplatz angelegt. Besonderheiten: Naturschutzgebiete Katzenstein und Kleiner Mehlberg, Steilhänge, 30 Prozent FFH-Gebiete, Fremdenverkehr/touristische Attraktionen in der Ederseeregion.
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